Berlin, 04.11.2026
Das Prima Center Berlin fordert Quartiersmanagement, degewo und Amt öffentlich zum Handeln auf: Bürokratisches Chaos, falsche Abrechnungen und verweigerte Gespräche bedrohen den Fortbestand des queeren Kulturraums im Soldiner Kiez.
Der Projektraum Prima Center Berlin (PCB) in der Biesentaler Straße, seit 2004 feste Größe im Soldiner Kiez, hält sich überwiegend durch Spenden von Privatpersonen über Wasser, um die nach einem Trauerfall um 300 Prozent höhere Miete zu stemmen, und sollte dieses Jahr Förderung für drei Kulturprojekte vom Quartiersmanagement Soldiner Kiez erhalten. Dieses forderte uns am 29.10. zum dritten Mal auf, bis zum 04.11. falsche Abrechnungen zu unterzeichnen. Das zuständige Amt blieb, bis auf Beschwichtigungen, bislang untätig.
Die strittige Förderung betrifft Honorare für die Leitung der Aktion „Drag’n’Roll“, einem Drag- und Medienworkshop für queere Jugendliche. Die vereinbarte Summe entspricht der üblichen Tagesgage für Performer*innen, wie sie bei Kulturförderung Pflicht sein sollte. Trotz Profiwissens für die Jugend soll diese nun kurzfristig unter Verweis auf die Stundenzahl gekippt werden – obwohl der Betrag seit dem Vertrag vom 20.03. feststeht. Die „korrigierte“ Abrechnung und Belegliste enthielt zudem nur 2 von 17 eingereichten Belegen für diesen und kleinere Posten.
Anfang des Jahres sah es noch gut aus: Ausstellungen wurden durch das Kulturministerium Nordmazedoniens unterstützt und drei Projekte sollten mit je knapp unter 1.500 Euro aus dem Aktionsfonds gefördert werden. Das zweite Projekt, eine Stadttour-Workshopreihe, wurde bereits im Vertrag auf die Hälfte gestrichen – angeblich „laut Juryentscheid“, die vermutlich nur 2 statt 4 Workshops bewilligen wollte. Der Jury wurde dabei wie uns wahrscheinlich suggeriert, mehr sei später möglich, obwohl das nicht den Förderregeln des Aktionsfonds entspricht.
Zu diesem Chaos hatten wir im Mai eine Prüfung beim zuständigen Amt angefragt und wurden über die Unmöglichkeit der vollen Finanzierung unterrichtet. Seitdem folgten viele „klärende Gespräche“, die offenbar nichts klärten und die Umsetzung der Projekte massiv erschwerten: Das Tourprojekt war kaum planbar, die Vorbereitung für Drag’n’Roll stark behindert und ein drittes Projekt musste ganz abgesagt werden. Eine Person aus unserem Team schrammte im Mai knapp am Burnout vorbei, eine weitere fiel von August bis Oktober aus.
Die dritte Aktion – eine bunt bemalte Bank vor dem PCB – sollte von der degewo genehmigt werden. Das QM sagte seine Unterstützung hierfür erst ab, dann zu und schließlich wieder ab. Die degewo unterstützt offiziell das Quartiersmanagement und die Kolonie Wedding (das Kunstraumnetzwerk des PCB) mit Raum zum Selbstkostenpreis, verweigert aber seit März die Genehmigung für die Bank und seit Anfang 2024 jedes Gespräch über die Miete. Bis Dezember wird das PCB der landeseigenen Gesellschaft somit rund 20.000 Euro Miete gezahlt haben, womit private Spenden und internationale Gelder indirekt die degewo co-finanzieren.
Im Juni äußerten sich Vertreter der degewo und des QM zum 25-jährigen Jubiläum der Kolonie noch unterstützend. Im Oktober wurde ein erneutes Gespräch verwehrt und auf die Gewerbeabteilung verwiesen, die weiterhin schweigt. Daher fordern wir QM, degewo und Amt nun öffentlich auf, das Prima Center Berlin und die Kolonie Wedding so zu unterstützen, wie es in den Zielen für das QM festgelegt ist: nachhaltig stabilisierend für prekäre Kultur.
Die Kultur Berlins wird seit Jahren kaputtgespart und verdrängt. „Auf eigene Kosten“ ist schon der Normalfall – außer für Investoren. Und wenn die öffentliche Hand Belege für Kosten verschwinden lässt und sich indirekt von Balkan-Staaten mitfüttern lässt, ist nicht nur Zähnezeigen nötig.
Kontakt:
Vorstand Freund*innen des PCB e. V.,
Paula Balov, Jeanne Spada, Pauline Utecht
info@prima-center-berlin.de